Eingetragener Verein: 1. FC Kaiserslautern e.V.

Was unterscheidet den 1. FC Kaiserslautern eigentlich von Klubs wie Hoffenheim oder Wolfsburg? Klar, die Tradition, die Fans, der „echte“ Fußball, werden die meisten antworten. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, ist allerdings noch ein weiterer Punkt ganz besonders hervorzuheben: Der FCK gehört seinen Fans!

Als eingetragener Verein (e.V.) ist die Mitgliederversammlung, also die jährliche Zusammenkunft der Beitrag zahlenden Fans, das höchste Gremium des FCK. Ihr unterstellt sind Aufsichtsrat und Vorstand sowie alle weiteren Mitarbeiter im administrativen Bereich. Diese traditionelle Vereinsstruktur ist keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick nach Deutschland und Europa zeigt:

In der Bundesliga spielen zur Saison 2011/12 nur noch sieben echte Vereine, die anderen Klubs haben ihre Lizenzspielerabteilungen aus dem Mutterverein ausgegliedert und fungieren überwiegend als GmbHs. Die Fans von Bayern München feuern gar eine Aktiengesellschaft an, der Rekordmeister ist teilweise in Besitz von Wirtschaftsunternehmen wie Adidas und Audi.

Auf den Rängen macht die Gesellschaftsform natürlich keinen Unterschied, kein Fan skandiert „Olé FC Bayern AG“ oder „Heja FCK e.V.“. Und doch hat die Frage „e.V., Ja oder Nein?“ essentielle Auswirkungen auf die komplette Identität eines Klubs! Während im e.V. alle Abteilungen von den Bambinis bis zur Bundesligamannschaft zu 100 Prozent der Mitgliederversammlung unterstehen, können bei den Kapitalgesellschaften Investoren einsteigen und neben Anteilen, wie eben beim FC Bayern oder aktuell bei 1860 München, auch Macht und Entscheidungsgewalt kaufen.

Bekanntestes Beispiel eines Investors in der Bundesliga ist sicherlich Dietmar Hopp. Der Hoffenheimer, der oft auch als „Mäzen“ betitelt wird und offiziell keine Funktion im Tagesgeschäft der Fußball-GmbH inne hat, machte Anfang des Jahres Schlagzeilen, als er gegen den Willen von Trainer Ralf Rangnick den TSG-Starspieler Luiz Gustavo nach München verkaufte. Die nachfolgenden Untersuchungen des DFB-Gerichts konnten dem geschickt agierenden Hopp zwar keinen Regelverstoß nachweisen, doch der zweifache Aufstiegstrainer Rangnick zog die Konsequenzen und trat sofort zurück. Eine komplette Machtübernahme durch Dritte verhindert in Deutschland zwar die 50+1-Regel, doch de facto lassen auch jetzt schon Geldgeber im Hintergrund hier und da die Muskeln spielen.

Gar zu 100 Prozent einem Konzern gehören Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg, mit RB Leipzig schickt sich außerdem bereits das nächste Marketingkonstrukt an, im Konzert der Großen mitzuspielen. Noch schlimmer ist die Situation im Ausland, wo beispielsweise die Anhänger von Manchester United oder dem FC Liverpool Proteste gegen ihre ungeliebten Klubbesitzer organisierten, deren Ausmaße alle Missfallensbekundungen in Deutschland in den Schatten stellen. In England gehören fast alle Erstligisten ausländischen Investoren aus Russland, Arabien oder den USA, die in erster Linie auf Rendite aus sind. Einige Fangruppen sammelten bereits Millionen, um ihre Klubs von den aktuellen Besitzern zurückzukaufen, andere resignierten und gründeten neue Vereine in den unteren Spielklassen. Das England hier kein abschreckendes Einzelbeispiel ist, zeigt der Blick nach Österreich, wo der Getränkegigant Red Bull bei Austria Salzburg einstieg und die komplette Tradition von Vereinsname über Trikotfarben bis zu den errungenen Titeln auslöschte. Die Fans und Vereinsmitglieder konnten nichts dagegen tun, weil sie keine Einflussmöglichkeiten mehr gegenüber den Investoren hatten, und gründeten ihre Austria in der untersten Spielklasse neu.

Der Vorteil von Ausgliederungen und Anteilsverkäufen, nämlich einmalige Einnahmen in Millionenhöhe, kann angesichts der Erfahrungen vor allem aus dem Ausland niemals die verloren gegangene Identität und Selbstbestimmung eines Fußballvereins ersetzen. Eben deshalb sind die Anhänger der verbliebenen eingetragenen Vereine in der Bundesliga, neben dem FCK beispielsweise der Hamburger SV und Schalke 04, sehr stolz auf diesen Status und kämpfen mit aller Macht um dessen Beibehaltung. Wer möchte schon einem x-beliebigen Milliardär aus Russland „gehören“, der den Klub jederzeit beliebig an den nächsten Milliardär aus Katar oder China weiter verkaufen kann?

Deshalb: JA zum 1. FC Kaiserslautern e.V.!

Übersicht: Rechtsformen der Bundesligavereine 2011/12

1. FC Kaiserslautern e.V.
FC Schalke 04 e.V.
Hamburger SV e.V.
VfB Stuttgart e.V.
FSV Mainz 05 e.V.
1. FC Nürnberg e.V.
SC Freiburg e.V.

Hertha BSC GmbH & Co. KGaA
Werder Bremen GmbH & Co. KGaA
Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA
1. FC Köln GmbH & Co. KGaA
FC Augsburg GmbH & Co. KGaA

Hannover 96 KGaA

TSG Hoffenheim GmbH
Bayer 04 Leverkusen GmbH
Borussia Mönchengladbach GmbH
VfL Wolfsburg GmbH

FC Bayern München AG