Interview: Supporter News

Unser Mitglied Sebastian Scheffler stand dem HSV Supporters Club, für dessen Mitgliederzeitung „Supporter News“ (Auflage 55.000 Stück) im Oktober für ein Interview zur Verfügung. Das komplette Interview könnte ihr nun auch auf unserer Seite nochmals nachlesen.
In gekürzter Form könnt ihr das Interview auch nochmals direkt hier nachlesen:

SN:Moin Scheffler, magst Du dich erstmal kurz vorstellen, damit unsere Leser wissen, mit wem sie es zu tun haben?

Scheffler: Hallo, wie schon erwähnt ist mein Name Sebastian Scheffler, ich bin 31 Jahre alt und komme aus Kaiserslautern. Seit mehr als 13 Jahren gehöre ich der Allesfahrerszene des 1. FC Kaiserslautern e.V. an und bin zudem in diesem Jahr in das oberste Fangremium, die im Februar dieses Jahres neu geschaffene Fanvertretung, gewählt worden. Desweiteren engagiere ich mich sehr stark in der Perspektive FCK. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss der Vereinsmitglieder des 1. FC Kaiserslautern e.V. Da mir dieses Thema sehr wichtig ist, habe ich mich auch hier entschlossen eine federführende Rolle zu übernehmen.


SN: Ähnlich wie unser Hamburger Sport-Verein e.V., ist der FCK ja auch ein Verein der Mitglieder und hat den Profifußball nicht in eine AG ausgegliedert. Magst Du uns kurz Eure Strukturen erklären und welche Möglichkeiten Ihr als Mitglieder habt, Einfluss zu nehmen?

Scheffler: Wie schon richtig erwähnt sind wir einer von sieben eingetragenen Vereinen in der ersten Fußball Bundesliga. Wie bei euch ist auch bei uns die alljährliche Mitgliederversammlung das oberste Vereinsorgan, auf der die Mitglieder durch ihre Stimme den Aufsichtsrat, das oberste Kontrollorgan, wählen von welchem der Vorstand berufen wird.
Der Vorteil von Ausgliederungen und Anteilsverkäufen, nämlich einmalige Einnahmen in Millionenhöhe, kann angesichts der Erfahrungen vor allem aus dem Ausland niemals die verloren gegangene Identität und Selbstbestimmung eines Fußballvereins ersetzen. Eben deshalb sind wir Anhänger des 1.FC Kaiserslautern e.V. sehr stolz auf diesen Status und wir kämpfen mit aller Macht um dessen Beibehaltung. Wer möchte schon einem x-beliebigen Milliardär aus Russland „gehören“, der den Klub jederzeit beliebig an den nächsten Milliardär aus Katar oder China weiter verkaufen kann!

SN: Welche Ziele verfolgt Ihr in den nächsten Jahren – gerade im Bezug auf die Stärkung der Mitgliederrechte und einer Fanorganisation?

Scheffler: Die komplette Neustrukturierung der Fanarbeit durch das neue Fankonzept und der damit verbundenen Wahlen der Fanvertretung, die bei uns dieses Jahr stattgefunden haben, sind ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Durch die festgefahrenen Strukturen wurde dies unabdingbar, um ehrenamtliche Arbeit auf Fanebene bei uns weiter voran zu bringen. Um den Fans und Mitglieder des FCK mehr bieten zu können und um sie mehr in die Arbeit des Vereins mit einzubeziehen, ist die Fanvertretung unverzichtbar. Gerade die Organisation der Sonderzüge wäre in dem Umfang und zu diesen günstigen Preisen ohne das Engagement der Fanvertretung kaum vorstellbar. Für die Zukunft werden auch hier noch Veränderungen stattfinden, welche man erst im Laufe der nächsten paar Monate wahrnehmen wird. Ein paar Beispiele hierfür sind u.a. Fan Club Turnier, Stadionfest, Fan Artikel Sortiment oder die Verteilung der Karten für Auswärtsspiele. Was natürlich ebenfalls nicht zu unterschätzen ist, dass in den letzten 15 Jahren die Kommunikation zwischen Verein – Fans – Mitgliedern nie besser war, als zum heutigen Zeitpunkt. Es findet wieder ein Dialog statt. Die Entwicklung bei Frankfurt, Dortmund und bei euch in Hamburg zeigt uns aber auch, dass die ehrenamtliche Arbeit auch irgendwann an seine Grenzen stößt und man den zeitlichen Aufwand nicht mehr komplett ohne fest angestellte Arbeitskräfte bewerkstelligen kann. Somit geht die Tendenz in ferner Zukunft wohl zu einer eigenen Abteilung mit eigenen Mitarbeitern.

Die Fanvertretung und die Perspektive FCK, sind dabei schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ob eine eigene Fanabteilung in Kaiserslautern auch möglich ist, steht in den Sternen. Wenn es dazu kommen sollte, werden wir sicherlich nicht die Größenordnung wie bei euch in Hamburg erreichen. Allerdings haben wir hier in Lautern ebenfalls fähige Leute, die den Aufbau und die Umsetzung einer eigenen Fanabteilung durchaus in die Hand nehmen könnten. Bei solchen Entscheidungen spielen allerdings der Verein und dessen Führung eine tragende Rolle. Bisher ist ja jedes FCK Mitglied in der Abteilung „Fußball“ (aktiv/passiv) eingetragen. Eine eigene Abteilung „Fans“ wäre da durchaus sinnvoller. Warten wir ab, was die Zukunft in diesem Punkt bringen wird.

SN: Du hast ja sicher auch die Diskussion verfolgt, dass Fans und Mitglieder immer mehr „Macht“
für sich beanspruchen und einfordern – Wie stehst Du dazu?

Scheffler: Das Mitspracherecht der Mitglieder im Verein ist meiner Meinung nach, das wichtigste überhaupt, nur so können auch die Interessen der Mitglieder gewahrt bleiben. Hierzu gehört neben einem kritischen Hinterfragen auch das aktive Mitgestalten des Vereinslebens.
Gerade wir in Kaiserslautern wurden bis zum Amtsantritt von Stefan Kuntz als Vorstandsvorsitzender und die Wahlen des neuen Aufsichtsrats im Jahr 2008, von den verschiedenen Vereinsvorständen bis an den finanziellen und sportlichen Abgrund gewirtschaftet. Die Jahre 1998 – 2008 waren sehr turbulente Jahre für unseren Verein. In der Vergangenheit sind in der Vereinsführung viele Fehler gemacht worden an denen der Club heute noch zu knabbern hat. Zur damaligen Zeit war die gesamte FCK Fanszene noch nicht so organisiert wie heute. Es gab zwar schon viele Fanclubs und Einzelpersonen welche sich mit vereinspolitischen Themen auseinandersetzen, allerdings wurde oft nur geredet statt gehandelt. Man diskutierte sich in diversen Foren tot, gab dort allerhand kluge Ratschläge und redete sich am Stammtisch den Mund fusselig. Leider erhoben nur wenige Vereinsmitglieder Ihre Stimme bei der jährlichen Hauptversammlung oder schrieben einen kritischen Brief an die damalige Vereinsführung um ihren Unmut kund zu tun. Wer weiß wie sich die Dinge entwickelt hätten, wenn sich zu dieser Zeit die Fans zusammengeschlossen hätten um konstruktiv mit den Vereinsbossen an einem Tisch zu diskutieren.
Es ist ohne Frage keine leichte Aufgabe den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den andere dort abgestellt haben. Die Sache läuft momentan sehr gut, wir sind wieder in Liga 1, die finanzielle Lage des Vereins verbessert sich dadurch von Jahr zu Jahr, sodass der Club hoffentlich bald wieder vollständig saniert ist. Das Mitspracherecht der Fans im Verein wieder nachhaltig zu stärken, wird zu oft als etwas Negatives in der Öffentlichkeit dargestellt, was es eigentlich gar nicht ist.

Mir wird die sogenannte „Macht“ der Mitglieder von verschiedenen Interessengruppen einfach zu negativ in der Presse dargestellt. Gerade ehemalige Spieler sollten sich mit ihren Aussagen in diversen Fußballtalksendungen mal vorher überlegen, was sie da für Dinge von sich geben, in die sie meist gar keinen Einblick haben und ihre Kritik nicht an uns Fans richten, die um das Wohl des Vereins besorgt sind, sondern sich auf ihr eventuell vorhandenes Sportliches Fachwissen beschränken. Das gleiche gilt auch für Sponsoren und Vorstände, denen natürlich das Mitspracherecht auch nicht gerade immer gefällt, wenn ihnen jemand etwas genauer auf die Finger schaut, bzw. die Grenzen aufzeigt wo ein Punkt erreicht ist, der mit den Mitgliedern und Fans so nicht weiter gegangen werden kann.

SN: In Deutschland gibt es ja viele Organisationen, die sich vereinsübergreifend aktiv einbringen,
wie beteiligt Ihr Euch dran oder wie seht Ihr diese Arbeit?

Scheffler: Eine Beteiligung an Vereinsübergreifenden Organisationen, wird von unserer Seite sehr positiv gesehen, da bei uns die einheitliche Meinung vorherrscht das man nur Gemeinsam mit allen Fanszenen etwas erreichen kann. Gerade bei den Themen wie der Erhaltung der 50+1 Regel aber auch zur Legalisierung von Pyrotechnik, bei dem Leute und Gruppen von uns aktiv mitarbeiten. Vor zwei Jahren war unsere Fanszene eine der Federführenden bei der Kampagne „Kein Kick vor Zwei“ welche sich für den Erhalt der fangerechten Anstoßzeiten einsetzte und auch immer noch einsetzt. Selbstverständlich hat man auch an der Demonstration in Berlin zum Erhalt der Fankultur teilgenommen und beteiligt sich aktiv beim Fanbündnis Pro Fans. Bei der ein oder anderen Organisation würde man sich auch sehr gerne mit einbringen um noch weitere Themengebiete voranzubringen, leider stößt man aber auch mal an seine personellen Grenzen da viele Personen einfach schon mit der Arbeit im Verein sich am Maximum des machbaren bewegen.


SN: Wie ist die Fanszene in Lautern strukturiert und wie sehen die Reibungspunkte nach Mannheim, Karlsruhe und Frankfurt aus?

Scheffler: Die Fanszene bei uns in Kaiserslautern ist trotz ihrer Größe relativ überschaubar gestaltet. Bis auf wenige alteingesessene Fanclubs wird die Hauptarbeit von den Ultra Gruppen verrichtet. Auch die Zusammenarbeit unter den vier großen Ultra Gruppen funktioniert meist problemlos, da man sich ständig untereinander austauscht und somit die Durchführung von Aktionen und Projekten oftmals gemeinsam angegangen werden. Natürlich haben wir bei uns auch eine breite Masse unorganisierter Fans für die das Vereinsleben und die Unterstützung des Vereins hauptsächlich am Spieltag stattfindet. Auch viele Fan Clubs beschränken sich auf das Spieltagerlebnis, unterstützen aber zu meist noch einen sozialen Aspekt aus ihrer Fanclubkasse. Die Fanvertretung und auch die Leiter der einzelnen Fanclubregionen bilden dabei das Bindeglied zwischen allen Fans.

Die Reibungspunkte nach Karlsruhe und Frankfurt entstehen meist erst dann, wenn auch ein Spiel gegen den jeweiligen Verein ansteht. Die Rivalität zu diesen Vereinen besteht schon über Jahrzehnte und bricht dann meist am Spieltag erst richtig aus, wie man letzte Saison beim Spiel in Frankfurt ja bestimmt auch dem ein oder anderen Bericht in der Presse entnehmen konnte.

Neben den Derbys gegen Frankfurt, Karlsruhe und mit Abstrichen noch Saarbrücken, wo allerdings die letzten Jahre mangels eines sportlichen Aufeinandertreffens die Berührungspunkte gefehlt haben, ist das Derby für uns weiterhin überhaupt das Spiel gegen Waldhof. Trotz des mangels an Spielen kommt es hier immer wieder durch die räumliche Nähe zu Berührungspunkten, sei es auf diversen Weinfesten oder auch beim umsteigen in Mannheim auf dem Bahnhof zu diversen Spielen.

SN: In der letzten Saison sind die Kontakte zwischen unseren beiden Vereinen ja durchaus positiv genutzt worden, und bei beiden Spielen gab es gemeinsame Aktionen – Wie beurteilst Du
unseren Verein?

Scheffler: Sicherlich ist die Berichterstattung über den Hamburger SV e.V. in der deutschen Presse, die letzten Monate nicht gerade Positiv gewesen, durch die sportliche Talfahrt und die Unstimmigkeiten bei euch im Vorstand, allerdings überwiegt hier weiterhin bei mir ein sehr positives Bild von eurem Verein mit einer lebendigen Fanszene und immer noch gut wirtschaftenden Verein. Die Ablösung eures Vorstandes kam für mich zur richtigen Zeit, da dieser aus der Ferne betrachtet das eigentliche Problem für das sportliche Abrutschen war. Die Fehler, die bei uns begangen wurden, sollten für jeden anderen Verein eine Warnung sein, dass man nicht mit aller Macht und möglichen Finanziellen Mitteln versuchen muss jedes Jahr im Europapokal teilzunehmen und damit den Verein in finanzielle Schwierigkeiten bringt oder wie bei uns geschehen fast in den Ruin getrieben hat.
Auch wenn es in der Presse eher negativ gesehen wird, ist für jeden aktiven Fußballfan in Deutschland eure Mitarbeit und kritische Stellung zur Vereinsführung vorbildlich.

SN: Wie beurteilst Du die Arbeit des Supporters Club?

Scheffler: Die Arbeit des Supporters Club mit seinen Strukturen, Aktionen und auch seiner Größe ist einfach einzigartig in Deutschland. Da muss man einfach neidlos anerkennen, dass da Anfang der 90er etwas geschaffen wurde, was nun Jahre später der richtige Weg war und mittlerweile nicht nur für uns ein Großes Vorbild ist. Auch die viele Arbeit die dahinter steckt ist dort hervorzuheben, denn ohne die vielen Ehrenamtlichen Helfer wäre dies wohl nie möglich gewesen.
Es ist schon bemerkenswert, dass ihr mittlerweile über 70.000 Mitglieder in einer eigenen Abteilung habt und dieses neben den wenigen hauptamtlichen Angestellten so gut organisiert bekommt.

SN:Euer Stadionname ist ja in der Satzung verankert, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit,
dass die Mitglieder einem Verkauf mal zustimmen?

Scheffler:Richtig, in unserer Satzung ist festgeschrieben, dass der Stadionname nur mit einer 2/3 Mehrheit umbenannt werden darf. Als in den letzten Jahren die ersten Stimmen laut wurden, dass der Verkauf des Stadionnamen bei einem entsprechenden Angebot eines Sponsors zur Diskussion stehen würde, haben wir uns der Thematik mit der Perspektive FCK angenommen und öffentlich Position zum Erhalt des Stadionnamens bezogen. Mittlerweile haben wir zwei große Demonstrationen zum Erhalt des Stadionnamens durchgeführt, u.a. eine gemeinsam mit euch zusammen, bei eurem Spiel dieses Jahr bei uns in Kaiserslautern, mehrere Tausend „Stadionnamenerhalten – Tradition Bewahren“ T-Shirts verkauft und uns auch in der Presse und im Stadion öffentlich positioniert.
Zu Beginn der Aktion war es für uns schwer. Es gab einzelne kritische Stimmen zu diesem Thema von Fans, welche diese Einstellung nicht mit uns teilten. Da unser Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, konnten sich einige Personen durchaus vorstellen, in Zukunft die Spiele der roten Teufel in der „Maggi-Brühwürfel Arena“ oder im „Haribosportpark“ statt im Fritz-Walter-Stadion zu verfolgen, wenn der Preis stimmt. Auf der anderen Seite erhielten wir enormen Zuspruch von der breiten Masse, welche uns ermutigte bei diesem Thema am Ball zu bleiben.
Wenn man sieht, das mittlerweile fast die komplette Westkurve in die Gesänge: „Für immer Fritz-Walter-Stadion“ einsteigt, gegnerische Fans Sympathiespruchbänder zu dieser Thematik anfertigen und sich ebenfalls an den Gesängen beteiligen und Stefan Kuntz bei Vorträgen verkündet, dass er alles daran setzen wird, dass der Name Fritz-Walter-Stadion erhalten bleibt, kann man schon ein positives Fazit ziehen. Mit Sicherheit sind wir nicht so blauäugig und wissen, dass bei einem entsprechenden Sponsorenangebot die Diskussion wieder von neuem beginnt. Ob sich allerdings so schnell ein Sponsor findet, der dafür verantwortlich gemacht werden will, den Namen Fritz-Walter aus dem Stadionnamen verbannt zu haben, steht auf einem anderen Blatt Papier. Natürlich gehen wir Fans in erster Linie auf den Betzenberg, natürlich wird darüber spekuliert was die Person Fritz-Walter wohl zu dieser Thematik sagen würde wenn er die Möglichkeit dazu hätte, natürlich wird es auch weiterhin Kritiker geben welche nicht unserer Meinung sind, allerdings steht es für uns außer Frage den Namen eines so großen Fußballspielers für ein paar Euro herzugeben. Wir können in Kaiserlautern stolz darauf sein, dass unser Stadionname noch nicht vermarktet wurde. Es gibt schließlich noch andere Möglichkeiten das Stadion besser zu nutzen ohne dafür den Namen zu ändern.