Interview: Der Betze brennt

Unsere Mitglieder Alexander Schmitt und Christian Systermans standen dem Online-Magazin „Der Betze brennt“ für ein Interview über die beantragte neue Abteilung „Fans und fördernde Mitglieder“ zur Verfügung. Das komplette Interview könnte ihr nun auch auf unserer Seite nochmals nachlesen.

Am Montag wurde beim 1. FC Kaiserslautern die Gründung einer Fanabteilung beantragt. Wir sprachen mit Christian Systermans und Alex Schmitt von der „Perspektive FCK“ über die Hintergründe, Vorteile und Ziele einer solchen Abteilung.

Der Betze brennt: Für die nicht so tief im Thema steckenden FCK-Fans, stellt Euch doch bitte kurz vor. Wer ist die Perspektive FCK und was macht Ihr so?

Christian Systermans: Die Perspektive FCK ist ein Zusammenschluss von Vereinsmitgliedern des 1. FC Kaiserslautern. Obwohl unsere Gründung erst zwei Jahre zurückliegt, konnten wir uns schon mehrfach aktiv ins Vereinsleben einbringen (siehe Hintergrund links; Anm. d. Red.) und zeigen, dass engagierte Fans einen Fußballverein auch heute noch mitgestalten und zu etwas besonderem machen können. Doch nichts bleibt für die Ewigkeit, deshalb möchten wir hier die Basis für eine nachhaltig positive Entwicklung des FCK legen…

Der Betze brennt: … und wollt nun die Fans auch organisatorisch im Verein verankern und habt einen Antrag auf Gründung einer neuen Abteilung gestellt.

Systermans: Genau, wobei wir eben das Ziel verfolgen, den derzeit als „passives Mitglied“ definierten Personen eine, im Sinne des Vereins und des Mitglieds, richtige und vollwertige Unterstützung geben möchten. Mittel- und langfristig ist die Zielsetzung sicherlich, den Mitgliedern, die in erster Linie als Fans den Verein unterstützen wollen, die Vorteile zukommen zu lassen, die ihnen zustehen. Daneben ist eine Abteilung innerhalb eines Vereins immer auch die organisatorische Einheit, die Personen und Institutionen aufnimmt und ins Vereinsleben integriert. Gerade durch die Anzahl der Mitglieder wird mit Nachdruck auf die Wichtigkeit dieses Personenkreises hingewiesen. Solange die Anzahl der „passiven Mitglieder“ eher im Dunkeln liegt, kann dieses Potential auch nicht genutzt werden. Zukünftig ist die Abteilungsgröße dieser neu zu gründenden Abteilung dann sicherlich beeindruckend. Auch um gegenüber zukünftigen Entscheidungen, wie zum Beispiel der Ausgliederung oder anderen Investorenthemen, eine klare Position im Verein zu vertreten.

Der Betze brennt: Warum ist das aus Eurer Sicht mit der aktuellen Vereinstruktur nicht möglich?

Alex Schmitt: Die derzeitige Struktur ist sehr unübersichtlich. Man muss in eine Abteilung (z.B. Fußball, Basketball, Running; Anm. d. Red.) eintreten und angeben, ob man dies als aktives oder passives Mitglied tun möchte. Ob man dann aber wirklich aktiv für den FCK gegen den Ball tritt, wird gar nicht überprüft. Kritisch sehen wir zudem, dass die Vereinssatzung des 1. FC Kaiserslautern eine Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Mitgliedern überhaupt nicht vorsieht, was bei dem vorhersehbaren Mitgliederzuwachs in den kommenden Jahren für weitere Probleme sorgen wird. In der neuen Abteilung möchten wir deshalb alle Mitglieder vereinen, die beim FCK nicht aktiv Sport treiben, und ihnen mehr Möglichkeiten einräumen, am Vereinsleben teilzunehmen und sich zu engagieren. Da bisher auch weder das Mitgliederkonzept noch die benötigte Reform der Abteilung Fußball umgesetzt wurden, war es für uns eine logische Konsequenz, jetzt den Antrag für die Fanabteilung zu stellen.

Der Betze brennt: Was ist überhaupt eine Fanabteilung? Welche Ziele sollen damit erreicht werden?

Systermans: Eine Fanabteilung soll die Identifikation mit dem Verein vergrößern, die Fans aktiv einbinden und die Mitglieder sollen merken, dass sie ihren FCK mitgestalten können und nicht fremdbestimmt werden. Mit den bereits erarbeiteten Erfolgen, hier ist beispielsweise auch das Vorkaufsrecht beim Ticketing zu nennen, konnten wir für die Mitglieder schon einiges erreichen. Das Interesse daran spiegelt sich auch im stetig ansteigenden Mitgliederzuwachs wieder. Gleichzeitig werden die anstehenden Herausforderungen aber immer komplexer, weshalb wir nun den nächsten Schritt gehen und die Aufgaben in einer unabhängigen, nur dem Allgemeinwohl des Vereins untergeordneten Fanabteilung bündeln wollen. Zahlreiche andere Vereine haben uns vorgemacht, wie sinnvoll dieser Schritt ist.

Der Betze brennt: Du sprichst es an: Welche wichtigen Beispiele gibt es von anderen Vereinen?

Systermans: Das bekannteste Beispiel ist wohl der HSV Supporters Club, der es durch jahrzehntelange Arbeit geschafft hat, die mit 70.000 Mitgliedern größte Fanabteilung in Europa zu werden. Weitere nennenswerte Fanabteilungen, die sich in den letzten Jahren gegründet haben und eine vorbildliche Arbeit leisten, sind der Schalker Fan-Club Verband oder die BVB-Fanabteilung. In Dortmund haben die fördernden Mitglieder zum Beispiel fast komplett in Eigenregie das wirklich sehenswerte Vereinsmuseum „Borusseum“ aufgebaut – was ja auch bei uns in Kaiserslautern ein aktuelles Thema ist.

Der Betze brennt: Manchmal wird über die starken Fanabteilungen aber auch negativ berichtet, Beispiel Hamburger SV. Was haltet Ihr diesen Kritikern entgegen?

Schmitt: Die Berichterstattungen, gerade über den HSV Supporters Club, sind natürlich nicht immer positiv. Das liegt daran, dass viele Funktionäre regelrecht Angst vor kritischen Fans haben: Manager denken bei den meisten Vereinen nur kurz-, höchstens mal mittelfristig. Den Fans hingegen ist wichtig, dass sie sich auch in zehn Jahren noch mit ihrem Verein identifizieren können – und dass es den Verein dann überhaupt noch gibt, also keine Harakiri-Aktionen getätigt werden. Dass gerade der Supporters Club im Geschäftsjahr 2010/11 für das positive Finanzergebnis des HSV gesorgt hat, wird von den Kritikern gerne unter den Tisch gekehrt. Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, aber wer sich näher mit dem Supporters Club beschäftigt, wird schnell dessen grandiose Verdienste rund um den HSV erkennen.

Der Betze brennt: Zurück zum FCK: Welche Vorteile würden sich im Vergleich zur aktuellen Situation ergeben?

Systermans: Durch die neue Abteilung würden die rund 17.000 Vereinsmitglieder viel besser strukturiert. Die als „passiv“ eingestuften Mitglieder werden gebündelt, sie erhalten gleichzeitig mehr Rechte und mehr Vorteile. Wer bisher vielleicht immer den Eindruck hatte, selbst nicht viel bewegen zu können, soll dazu nun ermutigt werden. Im kleinen Rahmen wird das bereits durch die Fanvertretung oder auch durch uns von der Perspektive FCK praktiziert, aber um mehr Fans zu erreichen, sind bessere Strukturen nötig. In persönlichen Rückmeldungen wird uns immer wieder mitgeteilt, dass es sehr viele Menschen gibt, die sich für den FCK engagieren möchten – im Grunde genommen sind die positiv verrückten Fans doch das wahre Kapital dieses Vereins.

Schmitt: Festhalten sollte man auch, dass wir zwar hauptsächlich, aber nicht nur die Fans der Bundesliga-Fußballmannschaft ansprechen wollen. Eine Fanabteilung verstehen wir als Unterstützung für den ganzen Verein und möchten damit auch die anderen Sportarten ansprechen. Nicht umsonst trägt die beantragte Abteilung den Zusatz „Fördernde Mitglieder“, was ausdrücklich auf den Gesamtverein und nicht nur die Fußballer bezogen ist.

Systermans: Fördernde Mitglieder bedeutet dabei auch nicht, dass man als passives Mitglied lediglich zahlt, sondern sich auch aktiv in das Vereinsleben mit einbringen kann. Denn ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer kann kein Verein, egal ob in der Kreisklasse oder in der Bundesliga, überleben. Gleichzeitig soll die neue Abteilung zur ersten Anlaufstelle für alle Anliegen von FCK-Anhänger werden und den Mitgliedern Vorteile bieten wie bevorzugtes Ticketing oder exklusive Fanartikel. Als eine der wesentlichen Aufgaben sehen wir in diesem Zusammenhang auch die Erhöhung der Mitgliedszahlen an.

Der Betze brennt: Wie stehen die Verantwortlichen dort der Gründung einer Fanabteilung gegenüber?

Schmitt: Stefan Kuntz hat selbst schon mal die Gründung einer Fanabteilung als möglichen Schritt in die Zukunft der Fanarbeit beim FCK genannt – damit dürfte wohl alles gesagt sein. Trotzdem müssen wir noch viel Aufklärungsarbeit leisten und deutlich machen, dass eine Fanabteilung weder eine Opposition innerhalb des Vereins noch einen Haufen von blinden Abnickern darstellt. Es liegt an uns Fans, was wir aus den vorhandenen Möglichkeiten machen. Und wenn durch eine Fanabteilung die Arbeitsabläufe optimiert und mit der Mitgliederzahl auch die Einnahmen erhöht werden können, muss das doch eigentlich jeder gut finden, oder? Finanziell würde der Verein von einer aktiven Fanabteilung jedenfalls profitieren, ein Minusgeschäft wäre nicht zu erwarten.

Der Betze brennt: Aber bringt dieser Antrag in der jetzigen sportlichen Situation nicht unnötig noch zusätzliche Unruhe in den Verein? Warum wird er gerade jetzt gestellt?

Schmitt: Also zunächst mal beeinflussen solche vereinspolitischen Dinge die Mannschaft aus unserer Sicht nullkommanull, deswegen fällt kein Tor mehr oder weniger. Wir sind wie schon gesagt ohnehin mehr an einer langfristigen Perspektive für unseren Verein interessiert, unabhängig vom aktuellen Abstiegskampf. Deshalb haben wir auch schon seit längerer Zeit intern die Gründung einer neuen Abteilung vorbereitet. Dass der Antrag gerade jetzt gestellt wird, ist daher eher dem Zufall geschuldet, wir waren einfach soweit. Nichtsdestotrotz möchten wir durch den Antrag zum jetzigen Zeitpunkt aber auch unsere Verbundenheit mit dem Verein dokumentieren und zeigen, dass wir auch und gerade in schweren Zeiten gewillt sind, uns nach Kräften für den FCK zu engagieren.

Der Betze brennt: Wie läuft die Sache nach Abgabe des Gründungsantrags jetzt formal weiter?

Systermans: Nachdem wir den Antrag beim Verein eingereicht haben, muss der Vereinsrat nun über die Gründung entscheiden. Wir gehen davon aus, dass innerhalb der kommenden vier Wochen eine, sicherlich positive, Entscheidung fallen wird. Anschließend wird es zu einer ersten Abteilungsversammlung mit allen interessierten Mitgliedern kommen, auf der die weiteren Formalitäten geregelt werden. Im Rahmen des Gründungsantrags haben bereits die ersten 31 Vereinsmitglieder den Antrag gestellt, in die neue Fanabteilung zu wechseln. Wer sich uns anschließen möchte, findet in den nächsten Tagen einen Wechselantrag zum Download auf unserer Internetseite http://www.Perspektive-FCK.de oder kann diesen bei Heimspielen im Fritz-Walter-Stadion am Stand des „Pfalz Inferno“ ausfüllen.

Der Betze brennt: Danke für das Gespräch und viel Erfolg bei Euren weiteren Aufgaben!

Ab sofort könnt ihr den Wechselantrag im Stadion an den Ständen des „Pfalz Inferno“ und der „Frenetic Youth“ hinter der Westtribüne ausfüllen oder direkt hier herunterladen.