Unsere Kurve zu Gast auf spanischem Fankongress

Unsere Kurve

Am 26. und 27. Januar trafen sich Fanvertreter von über 30 spanischen Fußballvereinen aus verschiedenen Ligen zum ersten spanischen Fankongress. Auf Einladung der ausrichtenden Fanorganisaion FASFE (Federación de Accionistas y Socios de Fútbol Espanol) hielt Jens Wagner vom HSV Supporters Club für Unsere Kurve einen Vortrag über die herausragende kulturelle und soziale Bedeutung des Fußballs in Deutschland. Im Verlauf der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass auch in Spanien das deutsche Fußballmodell mit seinen eingetragenen Vereinen und der 50+1-Regel als vorbildlich angesehen wird.

SupportersDirect_FASFE

Der spanische Fußball befindet sich momentan in der größten Krise seiner Geschichte. Die Profivereine haben unglaubliche 3,5 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Allein die Steuerschulden belaufen sich auf 500 Millionen Euro. Die Überschuldung des spanischen Fußballs in diesen existenzbedrohenden Dimensionen begann vor einigen Jahren, als die Clubs per Gesetz gezwungen wurden, die Vereine in Kapitalgesellschaften umzuwandeln. Man hatte gehofft, dass durch diese Strukturänderung ein professionellerer Geist in die Vorstandsetagen der Vereine einziehen würde. Heute weiß man, das Gegenteil ist der Fall. Aufgrund der Strukturreform ging der kontrollierende Einfluss der Vereinsmitgliedschaften gänzlich verloren und das Geld wurde fortan von oft fußballfremden Vorständen mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen. So verwundert es kaum, dass es momentan sowohl von staatlicher- als auch von Fan- und Vereinsseite Bestrebungen gibt, zu dem ursprünglichen, mit Deutschland zu vergleichenden, Vereinsmodell zurückzukehren.

UK-Vertreter Jens Wagner zog im Anschluss des Kongresses folgendes Resümee:

Die Situation in Spanien sollte uns in Deutschland als abschreckendes Beispiel dienen. Wer heutzutage noch ernsthaft über eine Aufweichung oder Abschaffung der 50+1-Regel nachdenkt hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und handelt extrem unprofessionell oder verfolgt höchst eigennützige Ziele ohne sich dabei um das Wohl der Vereine und des deutschen Fußballs auch nur im geringsten zu scheren.“

Neben Unsere Kurve nahmen auch Vertreter der UEFA, des spanischen Fußballverbandes sowie spanische und europäische Parlamentsvertreter an dem Kongress teil. Die Veranstaltung wurde aus Fördergeldern der Europäischen Union im Rahmen des Projekts „Improving Football Governance through Supporters Involvement and Community Ownership“ finanziert und in Zusammenarbeit mit der britischen Fanorganisation Supporters Direct organisiert.

Dar nächste nationale Kongress findet am 16. Februar in Lissabon statt. Auch hier wird Unsere Kurve einen Vortrag halten.