Kurzer Rückblick über Fritz Walter und das Stadion am Betzenberg

Wir schreiben das Jahr 1920. Ein Fußballspieler namens Fritz Walter erblickt gerade das Licht der Welt und der Sportplatz am Betzenberg wird mit einem Spiel gegen den amtierenden Rheinkreismeister FC Pfalz Ludwigshafen vor 3500 Zuschauern eröffnet. In den darauf folgenden Jahren erlebten der Fußballer und der Sportplatz viele Höhen und Tiefen in ihrer Geschichte und es war schon früh abzusehen, dass irgendwann das eine zum dem anderen führt! Der kleine Sandplatz am Betzenberg entwickelte sich in den darauf folgenden Jahren Schritt für Schritt weiter.

Es entstand eine Rasenspielfläche, erste Holztribünen wurden gebaut und durch einen Orkan wieder zerstört bis schließlich die ersten Stehränge und Tribünen aus Beton entstanden. Auch der junge Fritz Walter entwickelte sich in den vergangen Jahren und so war es 17 Jahre nach seiner Geburt soweit. Der spätere Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft stürmte zum ersten Mal wortwörtlich den Sportpark Betzenberg und erzielte vier Jahre später gleich drei Tore bei seinem Debüt im Nationalteam. Nach dem 2. Weltkrieg und der vorübergehenden Beschlagnahmung der Franzosen wurde der „Betze“ von den Vereinsmitgliedern wieder hergerichtet. Hier war schon zur damaligen Zeit die tiefe Verbundenheit der Vereinsmitglieder mit ihrem Stadion zu erkennen. Kurze Zeit später feiert .Der 1.FC Kaiserslautern zusammen mit Fritz Walter zwei Deutsche Meisterschaften und die Bundesrepublik erlebt das „Wunder von Bern“. Fünf Jahre nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft beendet Fritz Walter seine beeindruckende Fußballkarriere und wird bis zum heutigen Tag als eine der wichtigsten Personen der BRD in die Geschichtsbücher eingehen. Die Stadt Kaiserslautern, der Verein und die Fans sind stolz auf ihren Fritz, der seinem Verein immer treu blieb und einige lukrative Angebote der Konkurrenten außer Acht ließ, um sein geliebtes FCK-Trikot zu tragen!

Auch das Stadion am Betzenberg musterte sich nach Einführung der Bundesliga im Laufe der Jahre von einem Sportplatz zu einem beeindruckenden Fußballstadion. Am 02. November 1985 wurde die Spielstätte der roten Teufel zu Ehren von Fritz Walter umbenannt. In den nächsten 17 Jahren bis zu Fritz Walters Tod erlebten die Fans des 1. FCK beeindruckende und mitreißende Partien im Fritz-Walter-Stadion und feierten zwei weitere Meisterschaften. Die bis heute letzte Meisterschaft des 1. FC Kaiserslautern hatte allerdings auch ihre Schattenseiten. Es wurde viel Geld für teure Spieler verschwendet und man entschloss sich das Fritz-Walter-Stadion als Austragungsort für die Fußballweltmeisterschaft 2006 ins Rennen zu schicken. Mit dem Umbau des Stadions entstanden Zusatzkosten von knapp 23 Mio. EUR welche den Verein bis heute in eine finanzielle Krise stürzten. 2003 ging das Stadion dann in den Besitz der Stadt über, und der Verein versucht bis heute potentielle Geldquellen auszuschöpfen, um sich wieder vollständig zu sanieren. In diesem Zusammenhang brachte die aktuelle Vereinsführung um Stefan Kuntz eine Vermarktung des Stadionnamens ins Gespräch.

Beginn der Aktion: „ Für immer Fritz-Walter-Stadion“

Als in diversen Printmedien zu lesen war, dass das Fritz-Walter-Stadion für 500.000 EUR vermarktet werden sollte, wurde man zum ersten mal hellhörig. Unter unseren Mitgliedern entfachte sofort eine Diskussion und wir waren uns schnell einig, dass so etwas nicht hinnehmbar sei. Ein so großer Name soll für so wenig Geld aus dem Stadionnamen verschwinden? Mit diesem Gedanken konnte man sich nun wirklich nicht anfreunden. Es wurden Flyer gedruckt, um die Fans des 1. FCK über dieses Thema aufzuklären. Zum Heimspiel gegen St. Pauli folgten dann, dank der Mithilfe einiger jüngerer Fans, die ersten Spruchbandaktionen. Vor dem Stadion und auf allen vier Tribünen konnte man „Für immer Fritz-Walter-Stadion“ lesen.

Nun wurden auch die Medien darauf aufmerksam. Einige Zeitungsberichte folgten und es waren vermehrt Interviews mit den Vereinsoffiziellen in der Presse zu vernehmen.

Beim nächsten Heimspiel gegen den FSV Frankfurt folgten zwei weitere Spruchbänder und wir sammelten vor dem Stadion Unterschriften zum Erhalt des Stadionnamens.

Genauso erfreulich war es mit anzusehen, dass sogar die gegnerischen Fans ohne vorherige Absprache diese Aktionen unterstützen. Bei unserem Gastspiel in Düsseldorf zeigte der Düsseldorfer Fanclub „Hypers“ ein weiteres Spruchband mit der Aufschrift: „ Für immer Fritz-Walter-Stadion“, welches wir freudig zur Kenntnis nahmen.

Ein besonderes Highlight für viele FCK-Fans war mit Sicherheit das Heimspiel gegen den TSV 1860 München. Kurz nach dem Anpfiff präsentierten die Jungs des Münchner Fanclubs: „Giasinga Buam“ ein Spruchband mit der Aufschrift: „Dem Fritz-Walter-Stadion zu Ehren, zusammenhalten und wehren“ Eine solche Geste zeigt wohl deutlich, dass der Name Fritz Walter auch außerhalb unserer Region einen hohen Stellenwert hat. Die Tatsache, dass eine ganze Nation stolz auf die Leistungen dieses Ausnahmesportlers ist, müsste eigentlich Grund genug sein, sich dafür einzusetzen, dass wir die nächsten Jahre weiterhin im Fritz-Walter-Stadion die Spiele unserer roten Teufel verfolgen. Nach dieser Spruchbandaktion der Gäste konnte man schon Gänsehaut bekommen, als die Westkurve und der Gästeanhang gemeinsam „Für immer Fritz-Walter-Stadion“ und „Für immer Grünwalderstadion“ sangen. Ein Dank dafür natürlich auch an dieser Stelle nach München!

Quelle: Dr. Betze. Merci!

Da man es nicht nur bei Spruchbändern oder sammeln von Unterschriften belassen wollte, entschlossen wir uns, direkt an Stefan Kuntz zu schreiben, um ihm unsere Sicht der Dinge etwas näher zu bringen und um ihm ein paar Vorschläge zu unterbreiten. Bei dieser Gelegenheit interessierte uns natürlich auch seine Meinung zu diesem brisanten Thema. Herr Kuntz versicherte uns zwar, dass derzeit kein konkretes Angebot für eine Stadionvermarktung vorliegt, allerdings werden von Vereinsseite aus weiterhin alle Varianten in Betracht gezogen. Diese Erkenntnis konnte man ja schon aus den vorangegangen Zeitungsinterviews entnehmen. Mit einem weiteren Schreiben an Prof. Dr. Reinfried Pohl, den Gründer der Deutschen Vermögensberatung, versuchten wir eine Stellungnahme der DVAG zu diesem Thema zu bekommen. Als längjähriger Partner und Hauptsponsor interessierte uns natürlich, in wie weit die DVAG sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Leider erhielten wir an dieser Stelle keine Antwort der Vermögensberatung.

Nachdem einige Fanclubs beim letzten Auswärtsspiel des 1. FCK zur Mottofahrt: „Alle in rot“ aufriefen, entschlossen wir uns diese Aktion zu unterstützen. Wir ließen zu diesem Anlass etliche Shirts mit der Aufschrift „Stadionname erhalten – Tradition bewahren“ produzieren, welche wir zum Selbstkostenpreis an die Fans weitergaben.

Am letzten Spieltag der Saison 2009/2010 gegen den FC Augsburg organisierten wir für alle interessierten Fans einen gemeinsamen Bannermarsch vom Bahnhof zum Fritz-Walter-Stadion. Trotz des schlechten Wetters und des heftigen Regens erreichte der Marsch eine durchaus ansehnliche Teilnehmerzahl von knapp 1000 Personen.

Nun ist die Saison vorbei und wir haben den Aufstieg in die 1. Liga endlich geschafft. Ob wir in der neuen Saison die Spiele unserer roten Teufel weiterhin im Fritz-Walter-Stadion verfolgen, in der „Maggifix-Brühwürfelarena“ oder im „Fritz-Walter-Stadion im Coca-Colapark“ ist fraglich. Hier hat auch jeder Fan seine eigene Ansicht. Natürlich erreichen uns auch vereinzelte Mails von Fans, die sich überhaupt nicht mit unseren Aktionen anfreunden können, da sie ganz klar für eine Vermarktung des Stadionnamens sind. Laut Aussage dieser Fans können sie mit dem Fritz-Walter-Stadion eh nichts anfangen, da sie schon eh und je auf den Betze gehen und wollen lieber das Geld. Dies gilt es zwar auf jeden Fall zu respektieren, allerdings kommen einem dabei immer wieder einige Fragen auf:

– ab welchem Betrag wäre man bereit, das Stadion umzubenennen?
– hilft uns dieser Betrag wirklich die Klasse in Liga 1 zu halten oder werden davon nur
Ergänzungsspieler gekauft, die am Ende möglicherweise keine Leistung bringen?
– muss man jeden Trend mitgehen, den andere Vereine vorgeben oder sollte man sich nicht lieber seine Einzigartigkeit bewahren, die wir leider immer mehr verlieren?
– welcher Sponsor kann sich mit dem Gedanken anfreunden, dafür verantwortlich zu sein, den Namen Fritz-Walter aus dem Stadionnamen zu verbannen?
– sollten die Sponsoren nicht lieber versuchen den Namen zu erhalten um damit positives Marketing zu betreiben?
– sollte man nicht erstmal die weitere Vermarktung des Innenraums, wie z.B. Werbebanden am Stadiondach (Innen wie Außen) in Betracht ziehen? Auch die Namensvermarktung der einzelnen Tribünen wäre mit Sicherheit eine Einnahmequelle, mit der sich jeder anfreunden könnte. Zumal dies bei der Westtribüne ja schon längst mit Karlsberg der Fall ist.
– eine weitere Einnahmequelle wäre die komplette Erschließung des VIP-Turms zwischen Nord- und Osttribüne, bevor man an die Vermarktung des Stadionnamens geht
– weiterhin wird Geld verschwendet, welches man in das Ziel: „Klassenerhalt“ stecken könnte (siehe Kiebitz mit monatlichen Verlusten – Sanierungskonzept notwendig!)

Für Außenstehende Fans wirkt es vielleicht so, dass wir als Perspektive FCK uns nur mit dem Thema Stadionname beschäftigen. Dies ist selbstverständlich nicht der Fall! Letzte Saison lag das Hauptaugenmerk mit Sicherheit auf diesem brisanten Thema, allerdings werden intern viele weitere interessante Themen diskutiert und angegangen.

Nichtsdestotrotz werden wir uns weiterhin so gut es geht, für den Erhalt des Stadionnamens einsetzen!