Fandialog mit SPD-Innenpolitikern zum KSC Spiel

FCK_vs_KSC_2014-2015_Suedtribuene_02Vor und nach dem Südwest-Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem Karlsruher SC kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die wir als „Perspektive FCK e.V.“ grundsätzlich ablehnen. Gerade diese Auseinandersetzungen haben ein großes, mediales Interesse erzeugt, was sich voraussichtlich auch in den kommenden Plenarsitzungen des Landtags in Rheinland-Pfalz fortsetzen wird. Da man sich nach dem 1. Fandialog mit Mitgliedern des Innen- und Sportauausschusses der SPD-Landtagsfraktion im April dieses Jahres darauf verständigt hatte, bei besonderen Vorkommnissen möglichst zeitnah den Dialog zu suchen, kam es am vergangenen Freitag zu einem kurzfristig angesetzten Gespräch, bei dem neben einem Fanvertreter des 1. FCK, Vertretern der Perspektive FCK und „normalen Allesfahrern“ auf Seiten der Politiker neben Mitgliedern des Innenausschusses, des Sportausschusses der SPD Landtagsfraktion auch der Staatssekretär im Innenministerium Günter Kern und zwei Vertreter aus der Polizeiabteilung im Innenministerium teilnahmen.

Ziel des Gespräches war es auf beiden Seiten, die Situation aufzubereiten, wie sie sich entwickelt und dargestellt hat. In dem knapp 2,5 Stunden dauernden intensiven Gespräch ging es zunächst um die Situation, die sich nach dem Spiel im Stadion entwickelte. Hierbei wurde seitens der Fans von der Entwicklung gesprochen, wie sie nach und nach auf der Osttribüne entstand. Ebenso wurde dargestellt, wie „einfach“ die schleichende Abwanderung der KSC-Anhänger aus dem Gästebereich in Richtung Familienblock und Südtribüne hätte verhindert werden können. Auch wurde das Thema der Szenekundigen Beamten angesprochen, insbesondere wo sich die Karlsruher Beamten aufgehalten haben und ob sie auf die Gefahr hingewiesen haben, die von den verbleibenden Karlsruher Fans im Gästeblock ausgehen könnte.

Vertreter der Polizeiabteilung im Innenministerium konnten hierzu noch keine Aussage treffen, da eine Nachbereitung erst am Freitagmorgen stattfand und die Ergebnisse am Nachmittag noch nicht in Mainz vorlagen. Es wurde aber notiert, diesen Hinweisen nachzugehen.

Lange wurde auch über die Abtrennung zwischen dem Gästeblock und Heim-Sitzplatzbereich auf der Osttribüne gesprochen. Ob diese Absperrung denn ausreichend sei, was die Fans im Grunde bejahten, wenn die Absicherung bei Risikospielen gewährleistet ist. Eine Abgeordnete aus Mainz (M05 Mitglied) sprach von dem Trennzaun im Gästeblock der Coface-Arena, was wir als Fans jedoch als nicht erforderlich ablehnen, da eine vernünftige Absicherung durch Sicherheitspersonal bei Risikospielen auch bei der aktuellen Plane durchaus ausreichen sollte.

Aus Polizeisicht wurde dann natürlich auf die Angriffe gegen die Polizei und die Karlsruher Fans vor dem Spiel eingegangen. Es ergab sich eine sehr interessante Diskussion über die Wege der Fans, die aus Heimfan-Sicht unverständliche Sperrtechnik nach den Spielen mit Risiko-Charakter und einer möglicherweise grundsätzlichen Änderung der Wegstrecke der Gästefans. Hier wurde vorgeschlagen, doch einmal alle bisherigen Strategien und Gedanken auf Null zu setzen und völlig neu zu überlegen, wie Gästefans vom Bahnhof bzw. dem Zug zum Stadion geführt werden können. Überlegungen, Gästefans per Bus-Shuttle direkt an den Gästeblock hinter der Osttribüne zu transportieren – zumindest bei Risikospielen – wurden ebenso vorgeschlagen, wie Überlegungen, die Sonderzüge unter Umständen an anderen Haltepunkten in Empfang zu nehmen, um den neuralgischen Punkt des Löwenburgkreisels aus dem Weg der Gästefans zu entfernen.

Ein weiteres Thema war die Diskussion über eine Blocksperre für Gästefans. Auch diese Überlegungen sollten natürlich nur bei Risikospielen, wie eben dem Derby gegen den KSC oder Spielen wie in der vergangenen Saison gegen Dynamo Dresden, eine Maßnahme sein, um das bestehende Konfliktpotential zu reduzieren. Insbesondere, da diese Maßnahme für den regelmäßigen Auswärtsfahrer quasi zum Alltag bei Risikospielen gehört, kommt immer wieder Unverständnis dafür auf, dass in Kaiserslautern Heimfans zum Teil stundenlang auf den Zugang zum Bahnhof oder die dahinterliegenden Parkhäusern warten müssen.

Am Ende des Gesprächs nahm Staatssekretär Kern mit, dass es einige Dinge gibt, die einmal überprüft werden sollten. Die Vertreter der Polizeiabteilung waren von dem Ansatz der Blocksperre für Gästefans überrascht, da man dies bisher eher als „freiheitsentziehende Maßnahme“ ansah und man diese Maßnahme im Grunde nicht einsetzen wollte. Daneben wurde darüber nachgedacht, einen Dialog zwischen allen Betroffenen, also auch der Polizei, in Gang zu bringen, damit durch ein Klima der Transparenz und des gegenseitigen Verständnisses in Zukunft die Gewalt reduziert wird.

Aus unserer Sicht war dieses Gespräch ein voller Erfolg, zeigt sich doch, dass auch auf Seiten der Politik ein Interesse an den Vorfällen und deren Entwicklung besteht und man durchaus daran interessiert ist Maßnahmen zu ergreifen, um solche Situationen zukünftig nicht mehr entstehen zu lassen. Das Angebot zu Gesprächen mit Vertretern der Polizei, der Politik, dem Verein und Fans sollte unbedingt angenommen werden, um auch hier ein Klima des Verständnisses zu entwickeln.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für die kurzfristige Möglichkeit zu diesem Gespräch und hoffen, dass es in naher Zukunft nicht mehr erforderlich ist, das „rote Telefon“ zu benutzen.